Warum Crisanto
Als die Mutter eines guten Freundes von mir gestorben ist, hat mich niemand benachrichtigt. Alle wussten es, nur ich nicht. Keine Abdankung, kein Beileid. Ich konnte ihm nicht beistehen, obwohl ich es gerne getan hätte.
Aus diesem Moment ist die Idee von «Crisanto» entstanden.
Was Crisanto ist
Crisanto ist eine App für Mobilgeräte, die dich benachrichtigt, wenn jemand stirbt, der in deinem Adressbuch steht. Sie vergleicht deine Kontakte mit den in der Schweiz veröffentlichten Todesanzeigen, und wenn sie eine Übereinstimmung findet, meldet sie es dir mit der nötigen Zurückhaltung.
Wenn dir deine Bekannten am Herzen liegen — ehemalige Arbeitskolleginnen und -kollegen, Lehrerinnen und Lehrer, Schulfreunde, Menschen, denen du begegnet bist —, du aber keine Zeit hast, regelmässig die Todesanzeigen zu lesen, dann könnte Crisanto das Richtige für dich sein.
Wie es funktioniert
Wir lesen die in der Schweiz veröffentlichten Zeitungen und Todesanzeigen und sammeln sie in einer Datenbank. Wir bewahren die Anzeigen der letzten drei Monate auf: das ist die Zeit, in der du von einem Todesfall erfahren und jemandem nahe sein möchtest. Die Menschen, die dir wichtig sind, kannst du im Adressbuch deines Telefons erfassen. Schreibe mindestens Name und Vorname. Wenn du auch den Wohnort und das Geburtsjahr kennst, füge sie hinzu: die Meldung wird dadurch genauer. Danach verbindest du dein Adressbuch ein einziges Mal mit der App, über die entsprechende Schaltfläche. Von diesem Moment an sucht Crisanto an deiner Stelle.
Wenn die App jemanden findet, der einer deiner Kontakte sein könnte, meldet sie es auf deinem Telefon mit einer Mitteilung — auch dann, wenn die App geschlossen ist. Ja: du musst nicht daran denken, jeden Tag nachzuschauen.
Dann hast du einen Hinweis: du kannst nachfragen, die Zeitungen lesen, dich vergewissern. Genau das, was ich mir gewünscht hätte, als die Mutter meines Freundes gestorben ist.
Für wen ist Crisanto nützlich?
Für alle. Wenn du aber beruflich mit Menschen zu tun hast, umso mehr.
Denken wir an die Hausärztin oder den Pfleger, die betagte Patientinnen und Patienten betreuen, an die Physiotherapeutin, die sie über Jahre begleitet. An die Anwältin oder den Notar, die einen Erbgang bearbeiten, an die Treuhänderin und den Versicherungsberater, die Beziehungen eines ganzen Lebens hüten. Aber auch an jene, die eine Gemeinschaft am Leben erhalten — den Pfarrer, die Präsidentin eines Vereins oder eines Clubs — oder an jene, die hinter dem Schalter eines Ladens oder einer Dorfbank die Leute einzeln kennen.
In all diesen Fällen macht Crisanto die Arbeit: diese Namen hast du bereits im Adressbuch, und die App meldet sich nur, wenn es etwas zu wissen gibt.
Was die Treffer bedeuten
Crisanto gibt dir nie eine Gewissheit; es geht nicht um eine mathematische Formel, sondern um das Leben eines Menschen. Jedem Treffer können wir eine Wahrscheinlichkeit zuordnen:
• Möglich: Name und Vorname eines deiner Kontakte stimmen mit einer Anzeige überein, weitere Angaben fehlen aber.
• Wahrscheinlich: neben Name und Vorname stimmt auch die Gemeinde oder das Geburtsjahr.
• Sehr wahrscheinlich: Name, Vorname, Gemeinde und Geburtsjahr stimmen alle überein.
Die Sprache der App
Crisanto spricht Italienisch, Deutsch, Französisch und Rätoromanisch. Es ist eine Schweizer App, in der Schweiz entstanden und nur für die Schweiz gedacht.
Was Crisanto kostet
Crisanto ist heute kostenlos. Die Entwicklung liegt in den Händen eines Teams von Freiwilligen, und vorerst bieten wir die App ohne Kosten an: wir möchten nur die Genugtuung, allen einen nützlichen Dienst zu leisten, und bekannt werden. Sollte der Unterhalt eines Tages zu aufwendig werden, müssten wir die App vielleicht kostenpflichtig machen: in diesem Fall würden wir es dir mindestens 30 Tage im Voraus sagen, und du könntest entscheiden, ob du weitermachen willst oder nicht. Es gibt keine versteckten Kosten, und es wird dir nie etwas verrechnet, ohne dass du es entschieden hast.
